(1867 - 1900)
Portugals Poet des Pessimismus
kann Portugals Staatsbankrott nicht aufhalten
Portugals Identität wird zur Lachnummer
Am Strand von Leça
liebäugelte António mit hübschen jungen Engländerinnen
alles umsonst
das Leben in Portugal ist ein Jammertal:
Studium hingeworfen aus Sinnlosigkeit
António Nobre
erkrankt obendrein an Tuberkulose,
wird von der Familie zur Kur ins Ausland geschickt
alles umsonst
traurige Augen und hohle Blicke in ihren Gesichtern
Taubendreck und abgekotete Mövenexkremente
geben den Skulpturen beider Mädchen,
jede hält ein Buch auf dem Schoß...
von
noch immer einen
typisch portugiesisch verwahrlosten
modernen Anstrich
Die Glorifizierung des Unerreichten
-bzw. des für Portugal Unerreichbaren-
war seine Poesie
Der Jammer von Familien,
die durch sozialistische Utopien im Heimatland
ins Ausland flüchten müssen
machten ihn posthum zu Recht sehr populär
farto de dores com que o matavam
foi em viagem por este mundo
überdrüssig der Schmerzen mit welchen sie ihn töteten
begab er sich auf die Reise durch diese Welt
-für António Nobre 1980-
"Na praia lá da Boa Nova, um dia,
Edifiquei ( foi esse o grande mal)
Alto castelo, o que é a fantasia,
Todo de lápis-lazúli e coral!
Naquelas redondezas não havia
Quem se gabasse dum domínio igual:
Oh, castelo tão alto! parecia
O território dum senhor feudal!
Um dia (não sei quando, nem sei donde)
Um vento seco de deserto e spleen
Deitou por terra, ao pó que tudo esconde,
O meu condado, o meu condado, sim!
Porque eu já fui um poderoso conde,
Naquela idade em que se é conde assim..."
Am Strand dort von "Gute Neue" eines Tages
baute ich (das war das große Übel)
hohe Festung, was die Wunschvorstellung ist,
alles in lapislazuli Farben und Korallenrot
In dortigen Gefilden gab es keinen,
der nicht stolz auf gleiche Fähigkeit war:
Oh, wie groß ist doch die Festung! Sie erscheint
wie der Landgut eines feudalen Herren!
Eines Tages (ich weiß nicht wann und nicht woher)
ein trockener Wüstenwind und ein Spleen
kamen stürzten zu Boden, zu Staub, welcher alles verbirgt
Meinen Grafensitz, meinen Grafensitz, ja!
Denn ich war bereits ein mächtiger Graf
In jenen Jugendjahren in denen man eben so ein Graf ist....
Ai do Lusíada, coitado,
Que vem de tão longe, coberto de pó.
Que não ama, nem é amado,
Lúgubre Outono, no mês de Abril!
Que triste foi o seu fado!
Antes fosse pra soldado,
Antes fosse próprio Brasil...
Ach Du Lusiadenheld, Ärmster
Kommst von weit her, mit Staub bedeckt
Du liebst nicht, ebensowenig wirst Du geliebt
Düsterer Oktober, im Monat April !
Wie traurig war Dein Schicksal !
Wäre ich doch lieber zum Soldaten geworden
Wäre besser selbst gegangen nach Brasilien......
Menino e moço, tive uma Torre de leite,
Torre sem par!
Oliveiras que davam azeite,
Searas que davam linho de fiar,
Moinhos de velas, como latinas,
Que São Lourenço fazia andar...
Formosas cabras, ainda pequeninas,
E loiras vacas de maternas ancas
Que me davam o leite de manhã,
Lindo rebanho de ovelhas brancas;
Meus bibes eram de sua lã.
Kind und Knabe, da hatte ich Milchzwieback
Zwieback ohne gleichen !
Olivenbäume, die Olivienöl gaben,
Erntefelder, die Leinen zum Weben gaben
Windmühlen, mit Latinersegeln
Die Sankt Laurenz fahren ließen
Prächtige Ziegen, noch in klein,
Und blonde Kühe mit gebärfreudigen Becken
Die mir morgens die Milch gaben
Schöne Herde weißer Schafe
Meine Lätzchen waren aus ihrer Wolle
....
As oliveiras secaram,
Morreram as vacas, perdi as ovelhas,
Saíram-me os Ladrões, só me deixaram
As velas do moinho... mas rotas e velhas!
Die Olivenbäume vertrockneten
Verendet sind die Kühe, verloren habe ich die Schafe
Nahmen mir die Diebe fort, nur ließen sie mir
die Segel der Mühle....aber zerfetzt und alt !
Que triste fado!
Antes fosse aleijadinho,
Antes doido, antes cego....
Welch trauriges Schicksal !
Wär´ich doch ein Krüppel
Lieber irre, lieber blind....
.....
Ó minha
Terra encantada, cheia de sol,
O campanário, ó Luas-Cheias,
Lavadeira que lava o lençol,
Ermidas, sinos das aldeias,
O ceifeira que segas cantando
O moleiro das estradas,
Carros de bois, chiando,..
Flores dos campos, beiços de fadas,
Poentes de Julho, poentes minerais,
Ó choupos, ó luar, regas de Verão!
Que é feito de vocês? Onde estais, onde estais?
Oh mein
Heimatland märchenhaftes, voll an Sonne
Der Glockenturm, ach, die Vollmonde,
Waschweib, die das Laken wäscht,
Wallfahrtskapellen, Glocken der Dörfer
Ach, Schnitterin, du erntest und singst dabei
Der Müller auf den Wegen
Ochsenkarren, die quietschen...
Blumenwiesen, Lipennmund der Feen
Sonnenuntergänge im Juli, stählerne Untergänge
Ach, ihr Pappeln, ach, Mondschein, Gartengießen im Sommer
Was ist aus euch geworden ? Wo seid ihr, wo seid ihr ?
(Auszug)
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